Donnerstag, 7. August 2014

Die Fettnäpfe der anderen

Damit nicht der Eindruck entsteht, dass wir mit unserem Blog ausschließlich die negativen Aspekte der Kommunikation vor Augen haben, möchten wir heute einmal auf die positiven Möglichkeiten aufmerksam machen, die „die Fettnäpfe der anderen“ liefern.
Symbole kommen im Straßenverkehr reichlich zum Einsatz und sie haben stets den Zweck, komplexe Sachverhalte für Entscheidungssituationen unter Zeitdruck verständlich darzustellen. Aber was bitte soll man von dieser Ansammlung an widersprüchlichen Botschaften halten?

Das fragten sich offensichtlich auch die Werbeexperten des Thieme-Verlags und sie nutzten diese Konfusion als ein Motiv ihrer Kampagne „Die Welt ist voll von Halbwissen.“

Sonntag, 3. August 2014

Der kommunikative Absturz

Nicht immer sind die Auswirkungen unklarer Kommunikation so schön sichtbar wie im nachfolgenden Beispiel. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Flugzeug und während Sie sich auf Ihr Reiseziel vorbereiten, verkündet die freundliche Stewardess direkt nach dem Start mit perfektem Lächeln: „We have some technical problems …“. Der Freund, der mir von dieser Begebenheit berichtete – als ehemaliger Bankvorstand durchaus an schlechte Nachrichten gewöhnt – räumte ein, dass in diesem Moment nicht nur die Mitreisenden etwas blasser wurden, sondern auch er sich noch tiefer in den normierten Flugzeugsitz presste und den berühmten Gürtel, in diesem Fall den Flugzeuggurt, noch etwas enger schnallte. Die Tatsache, dass er mir davon berichten konnte, lässt erahnen, dass das Ganze dann doch noch glimpflich ausging. In der Tat, das ist das Wesentliche an dieser Geschichte, die technischen Probleme erstreckten sich auf die Kaffeemaschine, weshalb keine Heißgetränke auf Kaffeebasis auf diesem Flug serviert werden konnten. Was für eine gelungene kommunikative Einleitung in diese elementare Einschränkung des Service-Levels …

Wir lernen an diesem Beispiel wieder einmal, dass eine Information inhaltlich völlig korrekt sein kann, und dennoch die Botschaft komplett fehlgeht. Der Sender muss für eine gelungene Kommunikation immer den Kontext des Empfängers im Blick behalten. 

Dienstag, 22. Juli 2014

Rankings: Falsche Daten, Bauernopfer und Systemversagen

Nicht immer liefern die in Medien und der (Fach-)Presse veröffentlichten Hitlisten der besten Arbeitgeber, Hochschulen, Sportler etc. seriöse Ergebnisse. Dies kann an der Methodik der Erhebung liegen, aber es kann auch das Ergebnis gezielter Manipulationen sein.
Die ZDF-Show „Deutschlands Beste!“ lebt davon, dass Menschen sich von Ranglisten aller Art begeistern lassen. Das Zweite Deutsche Fernsehen hat, wie wir heute wissen, die Rankings der besten Frauen und Männer bereits seit Jahren manipuliert. Für viele war die anschließende Diskussion über Folgen und Verantwortung eine Art Dejà-Vu-Erlebnis, hatte doch erst vor kurzem der ADAC mit seinen gefälschten Rankings für die Verleihung seiner Autopreise vorgeführt, wie langwierig und quälend die Aufarbeitung eines solchen Skandals ablaufen kann.
So wie der ADAC sich auf die Verfehlungen des ehemaligen Kommunikationschefs Michael Ramstetter konzentrieren wollte, hat auch das ZDF sich darum bemüht, die Wirkung des Skandals zu begrenzen. Da wird dann doch immer wieder die Frage gestellt, wer denn nun die Verantwortung für solche Fehlentwicklungen übernehmen soll. Die Lösung war das beliebte „Bauernopfer“. Während beim ADAC noch ein tatsächlich unmittelbar verantwortlicher Mitarbeiter den Weg in die Freiheit geebnet bekam, sieht das beim ZDF schon schwieriger aus. ZDF-Showchef Oliver Fuchs gibt an, dass er keine Kenntnis von den Manipulationen gehabt habe, und wurde dennoch zurückgetreten. Die vornehme Version ist der Umstand, dass er trotz fehlender Verfehlung „seinen Rücktritt anbot“, was der Intendant sofort akzeptierte. Ob das jedoch reicht, um neues Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Sender aufzubauen, dürfen Sie getrost bezweifeln.
Was lernen wir daraus:
1.       Wenn Ergebnisse aus Untersuchungen oder Befragungen nicht den eigenen Wünschen entsprechen, lohnt es sich die Wünsche anzupassen und nicht die Ergebnisse.

2.       Wenn eine Manipulation bekannt wird, muss  mehr passieren als ein Rücktritt, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. 

Dienstag, 8. Juli 2014

Jetzt zugreifen: Männer zum Sonderpreis

Kurz und knapp müssen die Informationen im Bereich der Außenwerbung sein, sonst kann man nicht in der kurzen Lesezeit die wesentlichen Informationen erfassen. Gerade für die Schaufenster- und Ladengestaltung ist es daher eine besondere Herausforderung, die Informationen auf den Punkt zu bringen. Dies gelingt jedoch nicht immer eindeutig, wie das nachfolgende Beispiel eines Einzelhändlers eines kleineren Oberzentrums im ländlichen Bereich zeigt.


Wer Angst hat, dass er für einen neuen Mann zu viel ausgeben muss, scheint hier an der richtigen Adresse zu sein. Und in der Tat: Im selben Geschäft gibt es noch echte Rabatte beim Männer-Kauf. Wer bislang dachte, dass „20% auf alles, außer Tiernahrung“ das Ende des Rabattwahns markiert, wird eines besseren belehrt.


Was lernen wir daraus? Nicht unbedingt, dass Männer zur Ramschware werden, aber dass es sich durchaus lohnen kann, vor der Nutzung einer Werbung einen unbeteiligten Dritten zu befragen, ob die geplante Kommunikationsbotschaft tatsächlich ankommt.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Die „Blurb“-Strategie von Amazon – oder: Taugen Ihre internen Mails für die Öffentlichkeit?

Eine Presseanfrage des Online-Redakteurs Florian Meyer bei Amazon scheint dort auf wenig Gegenliebe gestoßen zu sein. Die Amazon-Kollegen stimmten sich ab und einer gab dem anderen die Empfehlung „… vielleicht hast du ja einen schmallippigen Blurb“.  

Diese Empfehlung entdeckte der Journalist, als er die nichtssagenden Antwortmail von Amazon bis zum Ende durchscrollte.

Das ist einer der Klassiker der Fettnäpfe im Maildialog: Interne Mails landen durch ein großzügiges Forward des gesamten Dialogs mit allen peinlichen Kommentaren beim Ansprechpartner. Es gibt so manche Agentur, die auf diesem Weg Kunden verloren hat, wenn dieser lesen konnte, wie die Ansprechpartner seines Agenturdienstleisters wirklich über seine Sonderwünsche denken.


Quelle: https://twitter.com/Scherzinfarkt/status/481158342552068096

Donnerstag, 19. Juni 2014

Satire nicht verstanden - Negativpreis gerät selbst zur Satire

Das Referat „Gleichstellung und Lebensweisenpolitik“ des „Student_innenRats“ der Universität Leipzig hat sich die ehrenwerte Aufgabe gestellt, einen Negativpreis für negative Werbekampagnen auszuloben. Ein Kandidat, der hierbei nominiert wurde, ist der Carlsen-Verlag, da er den Titel „Singen können die alle – Handbuch für Negerfreunde“ publiziert und beworben hat. „Darstellung von rassistischen Inhalten“ lautete der Vorwurf gegenüber dem Verlag. Dort war man dann doch erstaunt, denn der Titel ist eine klar erkennbare Satire, in der der Autor, Marius Jung, sein Leben als „schwarzer Deutscher“ schildert.

Was lernen wir aus diesem PR-Fettnapf des „Student_innenRats“, der zumindest in der Branchenfachpresse des Buchhandels seinen Niederschlag fand?

1. Satire wird auch dann, wenn sie offenkundig erscheint, nicht von jedem verstanden und akademische Bildung schafft hier ebenfalls keine Sicherheit.

2. Wer über andere und deren öffentliches Wirken urteilt, muss sich bewusst sein, dass auch eine Fehleinschätzung auf der eigenen Seite vorliegen kann.


Quelle: Börsenblatt des Deutschen Buchhandels http://www.boersenblatt.net/802691/

Mittwoch, 18. Juni 2014

Offene Mikros sorgen für ungewollte Transparenz!

Dass es genug Gründe gibt, an der der Integrität des Weltfußballverbandes FIFA ab und an zu zweifeln, steht sicherlich außer Frage. So war es auch inhaltlich keine Überraschung, dass ARD-Moderator Matthias Opdenhövel nach dem 4:0-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Portugal am 16.06.2014 gerne die Bestätigung gehabt hätte, dass der dreifache Torschütze Thomas Müller auch tatsächlich offiziell den Titel „Man of the Match“ verliehen bekommt. Gleichwohl sollte eigentlich zu diesem Zeitpunkt die Übertragung auf allen Kanälen und damit auch auf dem Internet-Livestream unterbrochen sein. Während das auch auf dem Standbild angekündigt war, konnte man jedoch hören: "Ist das offiziell, 'Man of the Match'? Ja, du weißt ja nie bei den schwindeligen Fifa-Flöten."

 

Was lernen wir hier von den Profis, also nicht von den Fußball-, sondern von den Kommunikationsprofis? Nicht nur, dass Fußballkommentatoren ebenfalls an der FIFA zweifeln, sondern dass auch Kommunikationsprofis manchmal daran scheitern, dass ihnen die Tücken der Technik nicht bewusst sind. Solange Mikros in der Nähe sind, sollte man stets auf seine Worte achten.

 

Bildquelle unter:http://www.spiegel.de/sport/fussball/opdenhoevel-im-ard-livestream-schwindelige-fifa-floeten-a-975630.html

Mittwoch, 28. Mai 2014

Unheimlich geheime Infos für alle

Geheimdienste tun sich mitunter schwer in Sachen Pressearbeit. Da hat man eigentlich im Verborgenen zu arbeiten, dennoch möchten eben mehr und mehr Menschen auch wissen, was da auf Kosten des Steuerzahlers so alles angestellt wird und wem die Arbeit der Geheimdienste den nutzen soll.

Dass sich mitunter auch die Kollegen anderer Regierungsstellen schwer damit tun, die richtige Linie zwischen Offenheit und Vertraulichkeit zu finden, zeigt die Panne anlässlich eines Kurzbesuchs von US-Präsident Obama bei amerikanischen Truppen in Afghanistan. Da wurde im Mai 2014 eine Gästeliste an die Medienvertreter geschickt aus der man entnehmen konnte, wer denn nun alles an bestimmten Anlässen des Kurzbesuchs teilnimmt und damit auch potenziell als Gesprächspartner zur Verfügung steht. Aufgeführt war auch der „Chief of Station“, das ist der ranghöchste Vertreter des CIA in einer Auslandsbotschaft. Blöd nur, dass dieser Job eigentlich eine Nebenfunktion ist, die man keinesfalls allen Menschen mitteilen möchte. Der Mann muss sich nun nach einer neuen Wirkungsstätte umschauen.

Merke: Auch wenn wir stolz sind auf unser Team ist nicht jede Teamfunktion gleichermaßen für einen Auftritt in der Öffentlichkeit geeignet.

Freitag, 16. Mai 2014

Voteman: Auffallend kann auch auffallend peinlich sein

Das dänische Parlament hatte die im Grund gar nicht so schlechte Idee, dem wahlmüden Volk durch eine gezielte Kommunikationskampagne so viel Aktivierungsenergie zuzuführen, dass der Unterschied zwischen Urnengang und Begräbnis auch bei der Wahlbeteiligung sichtbar wird. Heraus kam „Voteman“ ein muskelbepackter Comic-Held, der seine Wut auf Nicht-Wähler auslebt und sie wirklich aus allen Lebenslagen heraus dazu anhält, wählen zu gehen.
Ein klarer Fall für die kommunikative „Humorfalle“. Was lustig gemeint ist und fröhlich umgesetzt wird, kann am Ende dennoch Stirnrunzeln oder Verwunderung hervorrufen. Das peinliche Ergebnis zeigt dennoch Wirkung: Indirekt wird auch über die Wahl gesprochen. Allerdings in einem negativen Kontext…
Hier geht es zum Internet-Link: focus.de

Samstag, 10. Mai 2014

Die Magie der Zahlen – Ariel oder Arier?

Symbole können eine eigene Kraft entfalten. Dies kann positiv sein, wenn die Wirkung der Symbole die eigenen Aussagen unterstützt; dies kann aber auch ganz furchtbar nach hinten losgehen, wenn man ein Symbol einsetzt, ohne sich dessen bewusst zu sein und damit logischerweise auch eine Wirkung erzeugt, die man nicht gewollt hat.
So geschehen mit der Sonderedition des Waschmittels „Ariel“ aus dem Hause Procter & Gamble, die rechtzeitig zur Fußball-WM in einer Trikot-Verpackung auf den Markt kam. Das Deutschland-Trikot trug dabei die Nummer „88“. Hintergrund war der Umstand, dass in der Sonderpackung statt 83 Wascheinheiten das Pulver für fünf weitere Waschgänge enthalten war und sich damit in der Summe 88 Waschoptionen aus der Packung ergaben.

Nun kommt das Thema Nummern und Symbole. Es gibt eine Reihe von Nummern, die – je nach Zusammenhang – mit unterschiedlichem Symbolcharakter belegt sind. Hier mögen einige direkt an die „69“ denken. Die „88“ ist im deutschen Raum leider auch eine Nummer mit Symbolgehalt, da Rechtsradikale den achten Buchstaben des Alphabets als Abkürzung nehmen, um damit „HH“ als „Heil Hitler“ zu kommunizieren. Gerade Szenen, die sich am Rande des gesetzlich Zulässigen bewegen, sind sehr stark darauf angewiesen, ihre Kommunikation auf Symbole zu reduzieren, die dann wiederum für andere zum kommunikativ verminten Gelände werden. Ein Deutschlandtrikot mit „88“ spricht nun eindeutig die falsche Zielgruppe an. Der Hersteller hat die Auslieferung der Packung zwar gestoppt, dennoch ist die Meldung dazu natürlich im Umlauf und im Internet wurde sofort reagiert. Kreative Köpfe haben zudem direkt erkannt, dass durch den Tausch des „l“ mit einem „r“ auch dem Markennamen Ariel eine völlig neue Bedeutung beigemessen werden kann.